Zur UNESCO: “Ich freu mich, doch. Und habe Angst…”

„Ich freu mich, doch. Und habe Angst, denn die Zementrührer werden sich zum Angriff rüsten. Das Weltnaturerbe wird die Geschäftemacher anlocken, die die Dolomiten bisher noch nicht kennenglernt haben.“

„Und jetzt schauen viele Augen drauf“ Titelgeschichte in ff 26/09 über die Ernennung der Dolomiten zum Weltnaturerbe

Gewaltig die Fotos, super. die Dolomiten, ach, wie ich sie liebe. Eine Superidee. Schön. Nahezu fantastisch, wenn sie nicht echt wären! Ich freu mich, doch, Angst hab’ich schon.
Angst hab ich, dass in den Randgebieten weiter ausgebaut wird, denn der Ansturm wird enorm werden.
Angst hab ich, denn ein kleiner Teil dieser Welt, der Teil mit seinen farbigen Monolithen, den bizarren Felsen adeln, den fantastischen Zinnen und den unerreichbaren, senkrecht abfallenden Felswänden, ist akut gefährdet.
Angst hab ich, denn der Verkehr über die Dolomitenpässe wird zunehmen, die akustische Umweltverschmutzung wird noch unerträglicher werden.
Angst hab ich, denn die bekanntlich begeisterten Zementrührer werden sich zum Angriff rühren. Das Weltnaturerbe wird die Geschäftemacher anlocken, die die Dolomiten bisher noch nicht kennengelernt haben.
Angst hab ich, dass unsere Pässe ein Zirkuskarusell werden.
Wir leben in einer Seelenlandschaft, wird diese auch von Seelenwanderern in Zukunft besucht werden? Oder werden Japaner und Chinesen anreisen, hundert Photos knipsen und dann nach Venedig weiterziehen?
Zwei Dinge können die Welt retten: die Kultur und die Freiheit. Werden wir Einwohner die Kultur besitzen/erleben und einsehen, dass wir endlich nachhaltig denken müssen? Der Mangel an Freiheitsverständnis hindert uns daran, die Freiheit der Selbstbeschränkung zu erkennen. Der berühmte Mathematiker Edward Lorenz sagte: „Ein Schmetterling, der in Rio de Janeiro mit den Flügeln schlägt, verändert das Wetter in New York.“
Jeder Mensch ist unweigerlich dazu verdammt, den Preis all jener Irrtümer zu bezahlen, die in seiner Epoche oder in den vorhergehenden begangen worden sind. Unsere Eltern waren die große Generation, sie haben für uns eine Welt von Freiheit und Wohlstand aufgebaut. Wir sind hingegen wie die Heuschrecken, wir haben alles aufgefressen. Unsere Kinder werden die Regeneration sein, eine Entwicklung die sich auf Nachhaltigkeit für den globalen Markt und für die Natur aufbaut. Was für unsere Eltern die Freiheit war, muss für uns die Nachhaltigkeit sein.
Es gibt die Situationswerte und die Nachhaltigkeitswerte. Die Situationswerte hängen mit der Idee zusammen, dass alles vorübergeht, die Nachhaltigkeitswerte, dass ich immer hier sein werde. Die ersten bevorzugt zu haben, ist vernichtend.
Ja, ich freu mich. Und habe Angst

michil costa, ff 27 vom 2. Juli 2009

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