Perlae Ladines Nr. 4/2009

Vor einigen Tagen war ich zu einer öffentlichen Diskussion über die Bedeutung – oder Nicht-Bedeutung – von Bio-Produkten eingeladen. Ich sollte über ein ganz bestimmtes Thema sprechen: “Welche Rolle können Bio-Produkte in der Gastronomie spielen?”
Meine Rede habe ich begonnen, indem ich mich für die Einladung bedankt habe, doch dann habe ich gleich darauf hingewiesen, dass die Frage falsch formuliert sei. Nicht welchen Wert Bio-Produkte “haben können” sondern “ haben müssen”, hätte es heißen sollen.
Wenn wir nicht endlich den Fuß vom Gas nehmen, wird es uns irgendwann nicht einmal mehr nützen, vor 40 Jahren auf dem Mond gewesen zu sein.
Unsere Eltern waren die große Generation. Für uns haben sie eine Welt des Wohlstands und der Freiheit geschaffen. Wir dagegen sind Heuschrecken. Wir essen, nein wir fressen, und wir werden weiterfressen, bis nichts mehr da ist. Unsere Kinder werden die Re-Generation sein müssen. Sie müssen das, was wir verloren haben, re-generieren. Das war einmal die Freiheit. Heute ist das Ziel, das wir zwangsläufig erreichen müssen, die totale Symbiose zwischen Mensch und Natur. Respektvolles, nachhaltiges Handeln.
Hier bei uns gilt alles, was “bio” ist, immer noch als etwas Neues, als etwas, das “anders” ist. Denn im Grunde unseres Herzens möchten wir keine Veränderung des Bestehenden. Wir fürchten das, aber warum? Weil wir nicht wissen, welcher Sache wir entgegengehen. Wenn wir aber vor dem Unbekannten keine Angst haben wollen, müssen wir verstehen. Uns muss klar werden, dass Bio kein Trend ist. Es ist eine Philosophie, ein Lebensstil. Bio heißt Respekt vor dem Leben – vor jedem Leben.
Zu verurteilen sind all diejenigen, die sich “grün” auf die Fahnen schreiben, weil es Mode ist. Das Hauptproblem ist die Versorgung mit der Ware. Dazu brauchen wir Küchenchefs, wie wir sie in Alex Egger und Arturo Spicocchi haben: die flexibel sind und die Philosophie des Hauses teilen. Wir haben da Glück gehabt. Nach ein paar anfänglichen Schwierigkeiten (die Belieferung ist nicht ganz einfach und die Kosten sind höher) haben wir schließlich das ganze Team begeistern können.
Wir wollen uns für unsere Entscheidung keineswegs selbst auf die Schulter klopfen. Doch wir möchten, dass Sie, unsere Gäste, genau informiert sind über das, was sich bei uns geändert hat.
Nach welchen Prinzipien arbeiten wir jetzt? Unsere Produktpyramide baut sich  nun folgendermaßen auf: die “BB”-Produkte (biologisch und “badiotisch”, also aus dem Gadertal) stehen an allererster Stelle. Danach kommen Bio-Produkte aus der Region. Sollten wir die gewünschte Produkte da nicht finden, greifen wir auf regionale Produkte ohne Zertifikat zurück. Danach kommen italienische und anschließend europäische Bio-Produkte. Ganz am Schluss stehen europäische Erzeugnisse ohne Bio-Zertifikat. Das heißt unter anderem: Mit Sicherheit werden wir nie chinesischen Bio-Äpfeln den Vorzug vor “normalen” Südtiroler Äpfeln geben!
Uns ist klar, dass es eine Zeit dauern wird, bis alles richtig funktioniert. Es wird viel Mühe und Anstrengung bedeuten. Doch wir wollen dieses Ziel erreichen… und wir werden es erreichen!
Was in all diesem jedoch wirklich zählt, ist das Bewusstsein der Verantwortung, die wir uns selbst, den anderen und Mutter Natur gegenüber tragen.
Wir vom Hotel La Perla möchten authentisch sein. Wir möchten uns selbst und unseren Gästen gegenüber zeigen und beweisen, dass wir echt sind. Dass unsere Küche so ist wie die Dolomiten. Wahrhaftig. Stark. Nicht aufgestellt, um irgendjemandem zu gefallen. Sondern ein Beweis für Schönheit. Ja, denn die dolomythische Schönheit ist absolut. Schönheit ist überall dort, wo das Auge Frieden findet. Und genau das gleich gilt für den Gaumen. Die Kartoffeln des Bauern Sepl aus Longiarü zu essen, ist Schönheit. Denn der Geschmack dieser Kartoffeln ist Wahrheit, Authentizität. Der einzige, unverwechselbare Geschmack einer echten ladinischen Kartoffel. Die mit Liebe und Respekt angebaut wurde.
An dieser Stelle möchte ich gerne auf Mahatma Gandhi verweisen, der von Satyagraha sprach. Von der Kraft der Wahrheit und der Liebe. Die Wahrheit ist Freiheit. Für Freiheit und Liebe muss man sich anstrengen. Bio ist nicht eine Straße, die man gehen könnte, Bio ist die Straße. Eine ehrliche Straße. Und eine Straße, die wir unseren Kindern und unserer Erde einfach schuldig sind.

◊♦◊

Am 18. Juli fand der Benefizabend der Costa Family Foundation statt und war ein wahrer Erfolg! Wir konnten 23.125 ,00 Euro sammeln und werden somit in Kürze mit dem Bau einer Universität in Bengalore beginnen. Während unserer letzten Reise nach Ladakh in diesem Jahr konnten wir uns über den Abschluss unserer Projekte vergewissern. Wir bedanken uns sehr herzlich für Ihre Unterstützung.

◊♦◊

Am 19. September wird es die nächste neue Besonderheit geben: “Alles schweigt. Außer das Schweigen”. Der Abend wird uns schweigend regelrecht in Staunen versetzen und immer wieder von speziellen Momenten unterbrochen werden. Die Erlösung – sollte es überhaupt eine silenzioErlösung sein – kommt am Sonntag, 20. September mit dem Gong nach einem meditativen Picknick. “Die schweigende Seite von uns selbst und anderen zu kennen kann zu einer wahren Verwandlung führen: stumme Information verwandelt sich vielleicht in einen Wert. Wir glauben jedenfalls daran. Und du?”

michil mit Familie und Mitarbeiter

2 pensieri su “Perlae Ladines Nr. 4/2009

  1. Suzanne H.

    Was für eine wunderbare Philosophie – welch’ wunderbarer Text. Als Kollegin ziehe ich meinen Hut!

    Vielleicht werde ich es doch endlich mal schaffen, einige Tage La Perla zu erleben und genießen.

    Herzliche Grüße aus dem Kleinwalsertal

    Suzanne

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