Sechsstündige Pass-Pause

Das Beispiel Timmelshoch hat gezeigt, dass eine Passmaut zusätzlichen Verkehr anzieht.
Nicht nur deshalb fordert der AVS für die Dolomitenpässe eine „Auszeit“.
Das heißt: Zwischen 9.00 und 15.00 Uhr keine Privatautos.

Seit 2006 wird auch auf der Südtiroler Seite der Timmelsjochstraße eine Passmaut eingehoben. Der Effekt: Noch mehr Autos und Motorräder als vorher passieren die kurvige Passstraße zum Timmelsjoch. „Das Ziel, dort Emissionen und Lärm zu reduzieren, wurde weit verfehlt“, sagt Georg Simeoni, Vorsitzender des Alpenvereins Südtirol (AVS). „Die Erfahrung hat gezeigt, dass mauten für touristisch begehrte Ziele keine verkehrsregelnde Wirkung haben; sie erlauben jedoch gute Einnahmen zu erzielen. Dies kann aber nicht das Ziel sein.“
Gestern präsentierte der AVS seine Forderung einer dauerhaften Verkehrsberuhigung auf den Dolomitenpässen (Grödnerjoch, Sellajoch, Campolongopass). Auch hier gibt es Pläne seitens der Landesregierung zur Einführung einer Passmaut, Landesrat Florian Mussner spricht am vehementesten dafür aus. Beim AVS hält man das für einen Fehler, die Lösung könne nur heißen: Zeitweilige Sperrung der Pässe für den Individualverkehr.
Der AVS-Vorsitzende Simeoni spricht von einer „Auszeit“ für die Dolomitenpässe. Demnach sollten die Passübergänge von 9.00 bis 15.00 Uhr während der Sommermonate für den motorisierten Privatverkehr gesperrt werden. Diese „Nachdenkpause“ sollten allen Wanderern und Radfahrern zugute kommen, „um die Einzigartigkeit der Bergkulisse ohne den derzeitigen Hintergrund-Lärmpegel genießen zu können. Und die Dolomiten könnten sich zumindest für ein paar Stunden eine kleine Ruhepause gönnen“, wie es Simeoni ausdrückt.
In eine ähnliche Richtung geht die Forderung von Reinhold Messner und des Kolfuschger Hoteliers Michil Costa, die ebenfalls an einer Kampagne zur Einschränkung des Autoverkehrs auf den Dolomitenpässen arbeiten.
Offenbar gehen alle davon aus, dass der motorisierte Verkehr dort in den nächsten Jahren zunimmt – sollte nicht drastisch gegengesteuert werden. „Gerade für die Dolomitenpässe, die viele Besucher ins Herz des neu geschaffenen UNESCO-Weltnaturerbes führen, ist mit einer erneuten Zunahme des Verkehrs zu rechnen. Die Auszeichnung kann nicht nur ein Werbegang sein, sondern stellt auch eine besondere Verpflichtung im Hinblick auf den Schutz und die nachhaltige Entwicklung dieser einzigartigen Gebirgsregion dar“, betont Simeoni.

von Thomas Vikoler, Tageszeitung, 21. April 2010

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